Führen ohne Macht – geht das?

Im zweiten Modul des «Praxisupdate Projektmanagement» stand ein Faktor im Zentrum, der über Erfolg oder Misserfolg eines Projekts entscheidend mitbestimmt: der Mensch.

Marchel Zahnd und Brigitte Hulliger von der Berner Fachhochschule BFH führten durch einen weiteren spannenden Kurstag – mit vielen Inputs, Diskussionen, Rollenspielen und einer zentralen Frage:

👉 Wie führt man Menschen in einem Projekt, wenn man keine Weisungsbefugnis hat – und was tut man, wenn es im Team kracht?

Projekte scheitern selten allein an Methode oder Technik. Häufig liegen die Ursachen woanders: unklare Rollen, unterschiedliche Interessen, Zeitdruck, Zielkonflikte oder Abhängigkeiten ohne formelle Hierarchie. Wer diese Themen als «weiche Faktoren» abtut, unterschätzt ihren Einfluss auf Termine, Kosten und letztlich den Projekterfolg.

💡Umso wichtiger sind vier Führungshebel:

🔹Klarheit: Ziele, Rollen und Erwartungen verständlich machen.
🔹Vertrauen: Verlässlich handeln, Probleme früh sichtbar machen und eigene Fehler eingestehen.
🔹Einbindung: Betroffene beteiligen und gemeinsam tragfähige Entscheidungen treffen.
🔹Sichtbarkeit: Fortschritte, Hindernisse und Erfolge transparent machen.

Projektteams durchlaufen verschiedene Entwicklungsphasen. 🌱 Das Modell von Tuckman beschreibt sie als Forming, Storming, Norming, Performing, Aging und Adjourning.

Besonders interessant ist Storming: Rollen werden hinterfragt, Erwartungen prallen aufeinander und Konflikte werden sichtbar. Das ist nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass ein Team nicht funktioniert, sondern kann ein notwendiger Teil seiner Entwicklung sein.

Eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Team ist psychologische Sicherheit: Teammitglieder müssen Fragen stellen, Zweifel äussern, Fehler ansprechen und widersprechen können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

👉 Teamentwicklung ist kein Selbstläufer, sondern eine Führungsaufgabe.

Und wenn es trotzdem kracht? 🌩️

Konflikte gehören zu Projekten. Wo Ressourcen knapp, Termine eng, Verantwortlichkeiten unklar und Ziele unterschiedlich sind, entstehen Spannungen.⚡

Entscheidend ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern möglichst früh und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Dabei kann es auch helfen, eine Situation zu illustrieren, um einen Überblick zu gewinnen und die Situation besser zu verstehen.

💡 Frühes Ansprechen ist keine unnötige Konfrontation, sondern Fürsorge. Es verhindert, dass aus kleinen Spannungen grosse Konflikte werden.

Denn am Ende werden Projekte nicht von Methoden, sondern von Menschen umgesetzt. 🤝

🔎 Weitere Informationen zum CAS:

CAS Arbeitsumfeld Kernenergie | BFH

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